6) Bauliche Besonderheiten
6.1) Wahl der Kraftmaschine
In wesentliche Punkten lauten die Forderungen an die Turbine für ein
Gezeitenkraftwerk:
- Ausnutzung der Fallhöhe mit hohem Wirkungsgrad
- Erreichen einer möglichst hohen Turbinendrehzahl
- Konstanz der Turbinendrehzahl
- Verwendung nicht korrodierender Werkstoffe (wegen Seewasser)
- Wirksame Schmierung der Axiallager trotz ständigem Ein- und
Ausschaltens.
- Ausbildung des Turbineneinlaufes möglichst so, dass die Turbine nur
eine Drehrichtung hat.
- Einfachheit in der Bedienung und keine
Unterhaltskosten
Um das Verhalten eines bestimmten Laufrades bei verschiedenen Belastungen
zu kennzeichnen, stellt man Kennfelder auf, aus denen sich bei entsprechender
Wassermenge die jeweiligen Leistungen ergibt.
6.2) Krafthaus
Das Krafthaus muss den äußeren Umständen
entsprechen.
Diese Umstände sind von Standort zu Standort verschieden. Im
Küstengebiet besteht der Baugrund aus feinem Sand. Das Krafthaus hat stark
schwingende Massen.
Liegt das Kraftwerk vor der Küste muss es einen schweren Sturm ohne
weiteres aushalten und ist deswegen besonders stark zu bemessen.
6.3) Absperrdamm
Bei ungünstigen Lagen der Kraftwerke werden auch Absperrdämme
benutzt um vor Stürmen der offenen See zu schützen.
Dafür werden vorwiegend Schüttdämme verwendet.
Anderseits können auch fertige Teile dazu verwendet werden um
Dämme zu errichten.
Diese Teile werden an Land gebaut und am Einsenkplatz eingeschwommen, dort
abgesenkt und dann mit Sand und Steinen gefüllt und dann mit Beton
vergossen. Zusätzlich natürlich auf der Seeseite noch verstärkt.
6.4) Verlandung
Da die Gezeitenwelle Sinkstoffe heranträgt, entsteht am Beckenrand
eine Verlandung.
Die Fließgeschwindigkeit des zurücklaufenden Wassers reicht
nicht aus um diese Sinkstoffe wieder ab zu transportieren.
Dieser Auflanden des Beckenrandes kann man nur durch abbaggern
begegnen.
6.5) Wichte
Die Wichte beträgt im Meerwasser je nach Slazgehalt 1020 kg/m³
bis 1030 kg/m³.
Dies bedeutet einen Energiegewinn gegenüber Flusskraftwerken gleicher
Fallhöhe und Wassermenge.
7) Vor- und Nachteile
An günstigen Stellen sind die gewinnbaren Energiemengen ungeheuer
groß.
Die Wartungskosten bilden nur einen kleinen Prozentsatz der
Stromgestehungskosten, wobei das Wasser von der Natur ständig kostenlos
geliefert wird.
Ebbe und Flut sind kosmische Ursachen und sind deswegen einigermaßen
genau berechenbar.
Aus dem Grund lässt sich das Gezeitenkraftwerk mit mehr
Wahrscheinlichkeit in den Plan einer Landes-Energieversorgung einsetzen.
Das Gezeitenkraftwerk deckt als Laufkraftwerk einen Teil der Grundlast im
Verbundnetz ab.
Jedoch bringt der Bau eines Gezeitenkraftwerkes viele Probleme mit
sich.
Der Bau muss bei steigendem und sinkendem Wasser ausgeführt
werden.
Im Vergleich mit Flusskraftwerken ist der Erbau ca um 70% teurer und die
elektrische Ausrüstung um 40% billiger.
In Summe ist ein Gezeitenkraftwerk um ca 55% teurer.
Weiters ist die Ausbaggerung sehr mühsam.
Das Gezeitenkraftwerk ist den Naturgewalten stets ausgesetzt und muss daher
entsprechend stark gebaut werden.
Durch die Sand Schlickteilchen und Salzwasser wird die Turbine weit mehr
beansprucht als bei anderen Kraftwerken.
8) Quellen
1. „Lebendiges Wissen: Die Energie“ © 1981 by Trewin
Coppelstone Book Ltd., London
© dt. Ausgabe 1981 by Christian Verlag GmbH,
München
2. „ Alle Wunder dieser Welt“ © 1968 by Bertelsmann
Sachbuchverlag Reinhard Mohn, Gütersloh
und Praesent Verlag, Gütersloh
3. Zeitschrift „ Technica“, Nr. 4, 1974
4. http://www.ingenieur.de
5. http://137.193.57.84/energie/wasser/gezeiten.htm
7. VDI-Forschungsheft 446; „Beilage zur Forschung auf dem Gebiet des
Ingenieurwesen“
Ausgabe B Band 20 1954:
„Probleme der Gezeitenkraftausnutzung“ von Gerhard
Sickert
Deutscher Ingenieursverlag GmbH / Düsseldorf
Das Referat in der 4ten Klasse htl entstanden ist und noch
bearbeitet gehört.
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